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Im April 2011 tritt Neptun in das Tierkreiszeichen Fische ein, damit endet ein Zyklus , der 1862 im Zeichen Widder begann. Wie sich der Transit Neptuns bei seinem letzten Durchgang durch das Zeichen ausgewirkt hat, habe ich in einem kurzen Video skizziert. Prognosen für die kommenden 14 Jahre möchte ich an dieser Stelle nicht posten, eher ein paar allgemeine Gedanken zum Thema Neptun in Fische. Auch im Hinblick darauf, dass die nächsten Jahre von einigen anderen einschneidenden mundanen Konstellationen (z. B. Pluto Quadrat Uranus) geprägt werden und eine Prognose nur in der Zusammenschau erfolgen kann.
Neptun stand bei seiner Entdeckung am 23.9.1846 auf 26° Wassermann in Konjunktion mit Saturn. Neptun und Saturn gelten in der Astrologie als antagonistische Kräfte, wobei Saturn Realitäten schafft, die Orientierung und Halt geben. Saturn entspricht dem Zeitgeist und den jeweiligen Werten einer Kulturepoche. Neptun hingegen ist das Prinzip der Auflösung. Bestehende und begrenzende Realitätsvorstellungen lösen sich unter Neptuns Einfluss auf, wenn diese erstarrt sind und der Erneuerung bedürfen. Neptun fügt unserem begrenzten Weltverständnis eine schicksalhafte Dimension hinzu, die wir mit dem Mitteln der Vernunft, mit Regeln und Gesetzten, allein nicht beeinflussen können. Man kann sich das so vorstellen: Gesellschaftliche Strukturen werden mit der Zeit marode, besser gesagt dekadent, und halten nicht mehr das, was sie zu einem früheren Zeitpunkt vorgegeben haben. Das Alte (Saturn) ist verbraucht und blockiert nun den Fortschritt. Schwachstellen des herrschenden Systems werden offenkundig. Eine überkommene Ordnung (Saturn) steht vor ihrer Auflösung (Neptun). Neue Visionen (Neptun), die das Kollektiv (Neptun) bewegen, überschwemmen die Gesellschaft . Neptun symbolisiert eine überpersönliche und zugleich unbewusste Kraft, die das gesamte Kollektiv erfasst. Im Zeichen Fische kann sich seine Kraft am besten entfalten. Fische ist das Zeichen der Auflösung am Ende eines Entwicklungszyklus, der unter dem Zeichen Widder begann. In der Fischeperiode müssen die Überreste der vorangegangenen Zeit untergehen, um neuen Impulsen zu weichen. Neptun in Fische läutet die Zeit des Übergangs ein. Auf nichts ist mehr richtig Verlass in dieser Zeit. Altbewährtes wird zunehmend hinterfragt, Lügen, Intrigen, Korruption und andere Scheinheiligkeiten einer Kultur kommen ans Licht, Utopien und Zukunftsvisionen rücken vorübergehend in den Fokus der Öffentlichkeit und die Illusion geht um, dass in Zukunft alles besser werden kann. Die allmähliche Auflösung der gültigen Gesellschaftsordnung steht bevor. Kein gewaltsamer Umsturz wie unter Uranustransiten, eher wirkt mit Neptun in Fische ein subtiler Auflösungsprozess im Hintergrund sozialer Umbrüche, so wie die Kraft des Wassers einen Stein aushöhlen kann. Wir dürfen uns Neptun und Fische aber nicht zu sanft vorstellen. Das Element Wasser kann ungeheure Kraft entfalten. Fische ist nicht nur das Christuszeichen, das Zeichen der Märtyrer, Opfer und der passiven Hinnahme. Das Wasser als Symbol der Seele hat auch eine stürmische, unbeherrschbare Seite. Wenn wir an Flutwellen und Hurricanes denken, bekommen wir einen Eindruck von seiner gewaltigen Kraft. Genauso eine Kraft können von den gegebenen Verhältnissen enttäuschte und frustrierte Menschen entfalten, wenn sie sich als Kollektiv zusammenfinden..
Neptun in Fische ist so als ob das Schicksal spricht. Der soziale Mensch muss zunächst die Auflösung des Bekannten und Gewohnten, den vorübergehenden Verfall der so genannten gesellschaftlichen Realität, akzeptieren und erdulden lernen. Er muss die Umstände hinnehmen, kann sich nicht mehr an herkömmliche Spielregeln (Saturn) klammern und eine gesellschaftliche Stabilität als garantiertvoraussetzen. Neptun in Fische bedeutet eine Gesellschaft im Schwebezustand. Das Kollektiv muss mitschwingen, bis wieder Bodenhaftung (Stier) besteht.
Fische ist das Oppositionszeichen zu Jungfrau. Kleinliches Festhalten an der äußeren Ordnung, an überholten Regeln und Vernunft bringt mit Neptun in Fische nicht viel. Wer sich ausschließlich der Vernunft verschreibt, wird bald den Mut verlieren. Es ist gut, wenn wir in Krisenzeiten an etwas glauben können, das über unsere enge Vorstellung hinausgeht, unsere Fantasie beflügelt und uns von einer idealen Welt träumen lässt. Jetzt, wo die äußere Ordnung ein wenig aus den Fugen gerät, muss man der inneren Stimme zuhören und vertrauen lernen. Intuition und Gespür für das richtige Handeln sind hilfreich. Trotz beängstigender Auflösungserscheinungen muss man auf die Zukunft vertrauen. Der soziale Mensch als Bestandteil der Gesellschaft befindet sich wie in einem schutzlosen Raum, seine materiellen und intellektuellen Errungenschaften können ihn vor dem gesellschaftlichen Transformationsprozess nicht schützen. Wo kollektive Kräfte wirken, zählt der Einzelne mit all seinen Erfolgen nicht mehr viel. Materielles kann in dieser Zeit genommen werden. Neptun in Fisch ist - wie die Fastenzeit nach Karneval - eigentlich eine Zeit des Verzichts. Wer zu viel für sich beansprucht hat, wird einiges wieder hergeben müssen. Wer sich selbst und anderen zu viel vorgemacht hat, wird langsam wieder ernüchtern.
Wofür steht Neptun in Fische? Im Prinzip für all das, was eine ungerechte, unmenschliche Gesellschaft oder eine materiell orientierte Konsum- und Leistungsgesellschaft ohne viel Herz und Gefühl dringend brauchen.
Neptun und Fische stehen für Mitleid, das setzt Leid voraus. Neptun steht für Heilung, setzt sich für Schwache und Kranke ein, das setzt eine kranke, verwahrloste Gesellschaft voraus. Neptun kämpft für soziale Gerechtigkeit, das setzt soziale Ungerechtigkeit voraus. Neptun und Fische stehen für Spiritualität, dass setzt eine gott- und geistlose Gesellschaft voraus. Neptun steht für Feingefühl und schöpferische Fantasie, das setzt grobe und einfallslose Verhältnisse voraus.
Neptun in Fische 1848-1862